Presseberichte

 

FAZ vom 19.11.2015

 

FAZ vom  01.12.2016  Bericht von MARTINA PROPSON-HAUCK

F.A.Z.-Leser helfen Sprache lernen im Berufsalltag Im Programm „Faberis“ lernen Ausbilder, wie sie Flüchtlingen Deutsch für den Berufsalltag beibringen können. Für das Projekt haben die F.A.Z.-Leser im vergangenen Jahr gespendet. Die ersten 34 Ausbilder haben den Kurs jetzt absolviert.
F.A.Z-Leser haben „Faberis“ im vergangenen Jahr mit ihren Spenden unterstützt, die ersten 17 Absolventinnen und Absolventen waren bereits im Juni fertig mit der Ausbildung. „Meine Schüler waren begeistert von den Spielen mit Text- und Wortbausteinen und haben mich gebeten, den Unterricht jetzt immer so zu machen“, erzählt Chilingaryan. Was sie während des Lehrgangs gelernt haben, konnten die Teilnehmenden an den Tagen dazwischen gleich in die Praxis umsetzen und ausprobieren – und ihre Erfahrungen mit den anderen Männern und Frauen aus der Gruppe wieder besprechen. „Man achtet jetzt ganz anders auf Sprache, auch auf seine eigene“, sagt Monika Überla, die als gelernte Köchin und Konditorin in der Ausbildung in der „Faprik“ arbeitet und junge Flüchtlingsfrauen im Ausbildungsrestaurant „Startorante“ im Gallusviertel bei der Berufsorientierung hilft. „Ohne professionelle Anleitung verfällt man ja schnell in so ein ganz einfaches Ausländerdeutsch. Hier aber haben wir gelernt, wie man schwierige Inhalte vereinfacht, Prüfungstexte in kleine Stücke aufteilt und so sehr sprachsensibel wird“ , erläutert sie die Lehrgangsinhalte. Auch Peter Schwan und Roger Traiser aus Weiterstadt und Bensheim, beide Ausbilder der Handwerkskammer FrankfurtRhein-Main für das Bauhandwerk, wussten vor der Teilnahme an der Faberis-Fortbildung nicht, wie sie den Flüchtlingen ohne ausreichende Sprachkenntnisse, die sie in Ausbildung bringen wollten, die fachlichen Inhalte vermitteln sollten. „Die Unterschiede sind ja riesig, wir haben Teilnehmer, die einen Highschoolabschluss aus den USA haben, und andere, die in Eritrea nur vier Jahre die Schule besucht haben“, berichtet Traiser. „Vor dieser Weiterbildung haben wir unsere Teilnehmer nie nach einem Feedback gefragt“, sagt Schwan. Jetzt hängt er in der Lehrwerkstatt regelmäßig Plakate auf, auf denen die Teilnehmer mitteilen können, ob sie sich wohl fühlen oder ob sie etwas gelernt haben im Unterricht. Die Handwerker haben einen großen Vorteil: „Wir müssen keine Maurerkelle fotografieren, um den Begriff zu erklären, wir können sie einfach zeigen und deuten.“ Erfolgreich haben sie einen betreuten Flüchtling direkt in eine Ausbildungsstelle vermitteln können. „Der war sehr kontaktfreudig und hat sich sehr darum bemüht, die Sprache zu lernen“, erzählt Schwan. Die beiden Ausbilder helfen ihm jetzt auch nach den Tagen in der Berufsschule nach dem Unterricht weiter, markieren und gliedern Texte mit ihm. „Wir arbeiten selbst jetzt strukturierter“, sagen sie, denn die Handwerksmeister haben Sprachvermittlung ja auch nie wirklich gelernt. Dank des „Faberis“-Kurses haben sie jetzt mehr Verständnis dafür, was ihre Schützlinge „gar nicht können können“, und können ihnen gezielter helfen. Beispielsweise mit einem WerkzeugMemory, bei dem auf dem einen Kärtchen die Maurerkelle abgebildet ist, die Karte mit dem Wort „Kelle“ müssen die angehenden Azubis rausfischen. Auf dem „Feedback-Plakat“ steht dadurch jetzt viel öfter ein Strich in der Rubrik „wohl fühlen“ und „viel gelernt“. Berufsintegrierte Sprachförderung Meta Cehak-Behrmann leitet die Kurse und vermittelt gemeinsam mit vier weiteren Dozentinnen die Inhalte mit viel Herzblut, was alle Teilnehmerinnen immer wieder betonen. Berufsintegrierte Sprachförderung sei keine Vermittlung von Deutschkenntnissen nach dem Modell eines üblichen Sprachunterrichts, sagt sie. Die Vermittlung von Fachinhalten stehe zwar weiterhin im Zentrum, „die sprachlichen Ausdrucksformen der Fachinhalte werden aber in die Ausbildung integriert“. Sprache wird nicht nur mit dem Grammatikbuch gelernt, sondern aus der fachlichen Lernsituation heraus. Fachtexte und Situationen im Arbeits- und Schulalltag bilden die Folie des Lernens. Fachkräfte und Ausbilder sprechen aufgrund ihrer Fachkompetenz oft in Strukturen, die Lernende ohne umfangreiche Deutschkenntnisse nicht verstehen. Als Beispiel nennt sie den Satz: „Eine unzureichende Flüssigkeitszufuhr sollte vermieden werden“, den junge Pflegefachkräfte hören oder lesen – und nur Bahnhof verstehen. Ein geschulter Ausbilder merkt künftig, was er da sagt, und übersetzt die Botschaft zunächst: „Dieser Patient muss viel trinken.“ Und wenn alles optimal läuft, versteht die angehende Altenpflegehelferin bald auch, wie sie sich solche Sprachungetüme selbst erschließen kann.

 

 

Frankfurter Rundschau vom 23.06.2016 Bericht von Marie-Sophie Adeoso

Die Frankfurter Fachstelle „FaberiS“ schult Betriebe und Bildungsträger, Geflüchtete verständlich anzuleiten, um ihnen die berufliche Integration zu erleichtern.

Dass Asylsuchende Deutsch lernen müssen, um beruflich Fuß zu fassen, darauf weisen Arbeitsmarktexperten seit Monaten hin. Dass aber auch jene, die Geflüchtete am Arbeitsplatz anleiten, sich fortbilden können, um die berufliche Integration zu erleichtern, steht weniger im Fokus. Dass Asylsuchende Deutsch lernen müssen, um beruflich Fuß zu fassen, darauf weisen Arbeitsmarktexperten seit Monaten bei jeder Gelegenheit hin. Dass aber auch jene, die Geflüchtete am Arbeitsplatz anleiten, sich fortbilden können, um die berufliche Integration zu erleichtern, steht weniger im Fokus. Meta Cehak-Behrmann und Alessandra Klein möchten das ändern. Die beiden Frauen bieten seit Jahresbeginn eine praxisorientierte Weiterbildung für Betriebe an, die Geflüchtete beschäftigen oder ausbilden. „FaberiS“ bedeutet auf Latein so viel wie „du wirst sprechen“ und ist als Fachstelle für berufsintegriertes Sprachlernen, die im Herbst ihre Arbeit aufnahm, ein Projekt der FRAP-Agentur, der gemeinnützigen Gesellschaft für das Frankfurter Arbeitsmarktprogramm. Ein „Projekt mit Weitblick“, erläutert Projektleiterin Cehak-Behrmann. Geflüchtete und andere Migrantinnen und Migranten würden nach den ersten Sprachkursen oft nicht weiter gefördert und verharrten auf einem niedrigen Sprachniveau. Dabei biete gerade der Berufsalltag zugewanderten Beschäftigten die Möglichkeit, angepasst auf die eigenen Bedürfnisse „die Sprache den ganzen Tag zu lernen“, sagt Cehak-Behrmann – gesetzt den Fall, dass am Arbeitsplatz „eine sprachlernförderliche Atmosphäre“ herrsche und die sprachliche Ausbildung mit der fachlichen Hand in Hand gehe. Hier setze Faberis an. „Wir schulen Ausbilder und alle, die andere Menschen in Betrieben einarbeiten, ausbilden oder anleiten“, sagt Cehak-Behrmann. In der Weiterbildung zur „Sprachförderkraft für berufsintegriertes Sprachlernen“ werde den Teilnehmenden zunächst ein eigenes Sprachbewusstsein, eine Sprachsensibilität antrainiert. Es gehe dabei nicht darum, Arbeitgeber zu Deutschlehrern umzuschulen, betont ihre Kollegin Alessandra Klein. „Bei uns lernt man nicht, Grammatik zu vermitteln. Aber als Fachanleiter ist man auch sprachliches Vorbild.“ Nicht bei Erleichtern und Entlasten stehenbleiben. In fünf Fortbildungsmodulen zeigen die beiden Faberis-Frauen Teilnehmenden, wie sie Arbeitsanweisungen bewusst und strukturiert geben können, dabei eine Chronologie der einzelnen Schritte einhalten und Fachbegriffe verständlich erläutern. So könne, gibt Cehak-Behrmann ein spontanes Beispiel, ein Logistikunternehmer einen Nichtmuttersprachler verwirren, wenn er ihm sage, er solle „den LKW auf die Waage fahren und den Fahrtenschreiber da vorne abgeben“ – wenn zuvor nicht erklärt worden sei, was ein Fahrtenschreiber ist und dass die Waage eine schwarze Bodenplatte neben dem Firmengebäude sei.
Zur Information
Die zweite Weiterbildungsstaffel von Faberis beginnt am 1. September (wenige freie Plätze!), der dritte Durchlauf im Januar 2017. Die Teilnahme ist kostenlos und kann mit einem Zertifikat abgeschlossen werden. Anmeldung (bis 30. Juni) und weitere Informationen: www.faberis.de oder info@faberis.de. Wichtig sei aber, betont Cehak-Behrmann, dass Betriebe nicht bei diesem anfänglichen „Erleichtern und Entlasten“ stehenblieben. Denn spätestens in Prüfungen oder der beruflichen Weiterbildung müssten die Beschäftigten auch fachsprachlich formulieren können. So soll die Faberis-Weiterbildung auch dazu befähigen, Arbeitsmaterialien sprachförderlich umzuarbeiten und die Geflüchteten im Betrieb in ihrem Sprachlernprozess zu unterstützen. Für die Teilnehmenden ist die Weiterbildung kostenlos, Faberis wird aus Mitteln des Hessischen Sozialministeriums, der Stadt Frankfurt und Spenden der FAZ-Leserinnen und -Leser finanziert. Workshops abseits der zentralen Weiterbildungsreihe müssten aber selbst finanziert werden. Die Rückmeldungen aus der ersten Staffel seien durchweg positiv. „Da tut sich Unglaubliches“, sagt Cehak-Behrmann und berichtet von einer Produktionshalle, in der Beschäftigte bislang nebeneinander herarbeiteten, ohne sich austauschen zu müssen. Flüchtlinge in der Belegschaft seien kaum zum Sprechen gekommen. So entstehe aus der Angst, Fragen zu stellen oft eine regelrechte sprachliche Blockade, sagt die Faberis-Leiterin. Nach der Schulung habe der Arbeitgeber Arbeitsprozesse so umgestaltet, dass Absprachen zwischen Kollegen getroffen und Rückfragen gestellt werden. So hätten nicht nur die Sprachkenntnisse der Flüchtlinge verbessert werden können, sondern auch die Qualität der geleisteten Arbeit und das Betriebsklima.

 

 

FAZ vom 17.12.2015FAZ 17-12-2015 - Sprache ist aller Chancen Anfang

 

FAZ vom 3.12.2015:
Faberis5 m Bild

 

Artikel FAZ vom 5.11.2015

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Artikel FAZ vom 22.10.2015FAZ-Bericht FaberisHier der Artikel als Link